Inhaltlicher Vergleich – Michelle versus Matthias Reim

Alles was euch zu den Songs einfällt...

Inhaltlicher Vergleich – Michelle versus Matthias Reim

Beitragvon rakogel am Di 26. Mai 2015, 18:59

Das Leben könnte ja so einfach sein, einfach ein bischen Musik hören und genießen – ohne sich gleich tiefschürfende Gedanken darüber zu machen. Aber nun habe ich mir zufällig eine Matthias Reim CD zugelegt: 'Das ultimative Best Of Reim Album' - und ich meine, schon alleine der Titel schreit ja geradezu nach einem Vergleich.

Und inhaltlich ist mir dann auch sofort was aufgefallen. Wir haben das schon in einem anderen Thread andiskutiert, Klopfer hatte 'den Fehler gemacht', den Namen Reim zu erwähnen aber da die Thematik nun doch etwas umfangreicher zu werden scheint, öffne ich nun also doch einen neuen Thread dafür.

Ein inhaltlicher Vergleich von Michelle und Matthias Reim macht ja auch durchaus Sinn, da sich die beiden sehr gut kennen und sowohl musikalisch als auch privat schon zusammen gearbeitet und gemeinsame Produktionen durchgeführt haben (Rouge, L'amour, Idiot – und Marie ;) ) .

Eine Voraussetzung für einen Vergleich ist natürlich, dass man von den Inhalten auch wirklich auf die Personen Rückschlüsse ziehen kann, d.h. das funktioniert nicht, wenn ein Sänger(in) einfach irgendwelche Titel singt, die jemand anders für ihn schreibt und zu denen er keinerlei Bezug hat, wie z.B. bei den frühen Michelle-Titeln.

Vielmehr muss eine der beiden Voraussetzungen gegeben sein:
Entweder: Der Sänger textet selbst – wie bei Matthias Reim
oder: Der Sänger (oder in diesem Fall die Sängerin) achtet darauf, dass die Lieder authentisch sind und wirklich zu ihr passen, d.h. sie singt nicht einen x-beliebigen Titel, sondern wirkt bei der Titelgestaltung intensiv mit (wie bei den neueren Michelle-Titeln).

In diesem Fall kann man aus den Titeln ableiten, was dem jeweiligen Sänger wichtig ist und was ihn bewegt. Interessant ist natürlich auch, was passiert bei der Schnittmenge, d.h. bei den Liedern die Reim für Michelle schreibt.

Ok, was mir bei Reim sofort aufgefallen ist: Fast alle seine Titel handeln von vergänglichen Beziehungen, von dem fortwährenden Wechselspiel zwischen verlieben und trennen.

Bei Michelle hingegen geht es sehr stark um die Suche nach der immerwährenden, ewigen Liebe, der Hoffnung auf Unvergänglichkeit, auch wenn das in der Realität bei Ihr meist nicht klappt, aber sie hat immerhin die Vision davon, wenngleich sie in aktuellen Interviews mittlerweile auch schon einräumt, dass 'für immer' schwierig ist. Von daher aber eigentlich das genaue Gegenteil wie bei Reim.

Da ich mich bei den Michelle-Texten recht gut auskenne, kann ich hierfür auch gleich ein paar Beispiele aus der aktuellen CD anführen:

In deinen Armen will ich sterben, in deinem Herzen auferstehen ... ich spür ganz tief in mir dass uns nichts trennen kann. (In deinen Armen)

Wie ein Tattoo in meinem Herzen wirst du ewig bei mir sein ... wir können unbesiegbar sein, wenn wir uns nicht verliern ... wir navigieren durch die Zeit bis in die Ewigkeit
(Tattoo in meinem Herzen)

Bleib bei mir ein Leben lang, ich brauch deine Liebe damit ich atmen kann (Herzstillstand)

Und dieses mal gibt's kein zurück, ich lass dich nie wieder los. (Das süße Leben)

Aber auch wenn es dann schief ging:
Doch geh nicht fort wie jemand der vielleicht nie wieder kommt. Nein, gib nicht auf, lass uns doch Freunde sein.
(Gib nicht auf)


Bei Reim wäre es ein größerer Aufwand für mich, konkrete Beispiele zu nennen, es ist hier mehr so die Gesamtstimmung der CD: Naja, die Liebe ist zu Ende, einerseits schade, andererseits aber auch gut so, es tut weh, aber es kommt dann auch wieder was neues.

D.h. er hat dieses Wechselspiel der Liebe für sich ziemlich verinnerlicht, während Michelle, die ja eigentlich in ihrem Leben dem selben Wechselspiel unterworfen war, bisher immer noch um die unendliche Liebe gekämpft hat.

Vielleicht ist das ja auch ein bischen ein Unterschied zwischen den Geschlechtern, Männern leben vielleicht eher den Wechsel, während Frauen romantischer sind – und auch durch die Kinder mehr gebunden werden – und somit mehr von der langfristigen Liebe träumen. Das ist natürlich sehr pauschal gesagt und trifft schon mal bei mir nicht zu (sonst wäre ich vermutlich auch nicht schon seit 10 Jahren Michelle-Fan).

Ok, was passiert nun in der Schnittmenge ? Klopfer hat hier folgendes Beispiel angeführt:

ich möchte die sein, die du ansiehst
ich möchte die sein, die du küsst
ich möchte die sein, die für immer
an deiner Seite ist
Denn ich bin deine grosse Liebe
du weisst es nur noch nicht
die grosse Liebe deines Lebens
bin ich

(Große Liebe)

Man beachte hier: '… für immer … die große Liebe deines Lebens'. D.h. Reim schafft hier den Sprung zur Michelle-Thematik. Auch die Liebe von St. Germain währt bis zum Tod und in 'Wach geküsst' heißt es 'Weil du mich nie fallen lässt und auch wenn du mal weggehst niemals gehst, nie für immer gehst'.

Oftmals gibt es aber hier auch die Zwischenposition, den Zweifel, oder gar: beide Welten treffen aufeinander.

Dann aber doch auch der Zweifel:

Was wenn mein Herz sich irrt

oder

war es nur ein Glücksmoment,
ein Feuer das schnell niederbrennt
oder wird aus dieser kurzen Zeit
vielleicht eine ganze Ewigkeit.
(Unterm Mond)


Noch besser: Wenn beide Einstellungen, beide Welten, aufeinander treffen:

Und dann lüg mich an
du verlässt mich nicht
Und du bleibst hier
für immer bei mir

(Mach das Licht nicht an)

Der Mann geht und wechselt und die Frau sagt: Dann lüge mich wenigstens an und sage 'für immer'.

Du hast deinen Spaß gehabt, dann hast du mich abgehakt …
Wie krieg ich die Flamme in mir aus

(Wie)

Der Mann ist weg, hat schon gewechselt, aber die Frau brennt noch.

Oder um den Unterschied einfach mal in ein paar Zeilen auf den Punkt zu bringen:

Ich fühl immer noch wie damals, noch genauso, du Idiot,
doch du hast mich auch schon damals nicht verstanden, du Idiot.
Ich könnt dich heut noch dafür prügeln weil du es einfach nicht kapierst
ich bin gespannt wie lang du brauchst um zu begreifen
dass du mich nie verlierst.
Wer Liebe lebt wird unsterblich sein ... für immer, für immer, für immer ...
rakogel
 
Beiträge: 876
Registriert: Do 27. Aug 2009, 18:38
Wohnort: Ludwigsburg

Re: Inhaltlicher Vergleich – Michelle versus Matthias Reim

Beitragvon moddea am Mi 27. Mai 2015, 18:49

Bei einigen von Michelles Lieder sind Jean Frankfurter, Kristina Bach und Matthias Reim bestimmt von ihrem Privatleben inspiriert worden. Das Goodbye-Album, natürlich die Lieder für die Mädels. Ich persönlich glaube, dass das "Nenn es Liebe oder Wahnsinn"-Album mit der Trennung von Albert zu hat. Bei anderen Songs geht es natürlich nur darum überhaupt etwas zum Singen zu haben.

Seit dem erstem Album besingt Michelle alle Facetten der Liebe. Mal geht es um die große, ewige Liebe, mal nur um eine einzige Nacht. Mal ist sie die Verlassene, mal diejenige die sich aus einer Beziehung befreit. Mal ist sie die Affaire eines gebundenen Mannes, die einmal noch wartet und ein anderes Mal schon verloren hat. Etc, etc.

Bei den neuen Liedern ihrer Ultimativen Best of würde ich eigentlich keinen persönlichen Bezug vermuten, am ehesten noch bei "Puls". Bei den schnellen Songs ging es wohl darum, mehr Material zu haben, das partytauglich ist.
..tanz ich noch mal mit dir im Sternenlicht
moddea
 
Beiträge: 354
Registriert: Do 27. Aug 2009, 21:01

Re: Inhaltlicher Vergleich – Michelle versus Matthias Reim

Beitragvon rakogel am Di 16. Jun 2015, 17:27

Michelle legt schon seeeehr großen Wert auf Authentizität. So hat sie ja im letzten Interview gemeint, die Leute dürften schon ihre Aufregung spüren, sonst wäre das ja nicht authentisch - das kann man jetzt fast schon als übertrieben bezeichnen ;)

Viele Michelle-Lieder scheinen zwar oberflächlich betrachtet keinen tieferen Sinn zu haben, aber Michelle ist die Meisterin der mehrschichtigen Texte, d.h. meist steckt dann doch ein realer authentischer Hintergrund dahinter, auch wenn man den natürlich nicht immer erkennt - und auch ich kenne ja nur einige Aspekte ihres Lebens, so dass ich bei manchen Lieder den HIntergrund nur vermuten kann und sicher auch manches gar nicht erkenne.

Dazu kommt, dass Michelle die Lieder ja nicht selber schreibt, sondern nur Vorgaben macht. Ich denke je nach ihrer Beziehung zum Komponisten fallen diese Vorgaben genauer oder auch mal etwas vager aus. Und auch die Umsetzung dieser Vorgaben erfolgt manchmal sehr exakt und passend und manchmal eben etwas ungenauer.

Z.B. sind meines Erachtens die Lieder 'In deinen Armen' und '30.000 Grad' Mike-Lieder. Dabei wurde 'In deinen Armen' von Nino de Angelo recht genau und passend umgesetzt, während '30 000 Grad' eher ein Vorgabelied ist. Es kommen hier viele Feuerthemen vor, d.h. es wurden Vorgaben umgesetzt, aber es wurde kein exaktes, sondern ein etwas allgemeineres Lied.
Wer Liebe lebt wird unsterblich sein ... für immer, für immer, für immer ...
rakogel
 
Beiträge: 876
Registriert: Do 27. Aug 2009, 18:38
Wohnort: Ludwigsburg


Zurück zu Musik & Texte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast